Sie sind Fundraiser? Dann gehören Sie zu einem Berufszweig, der immer häufiger zum Thema wird. Egal, ob Sie dieses Gespräch auf Parties oder im Bahnabteil führen – im Dialog zwischen Fundraisern und Nichtexperten ergibt sich häufig so etwas wie eine typische Verlaufskurve. Alltagssituation für einen Fundraiser:

Fundraising - Was ist das?
"Ich bin Fundraiser!"

"Aha, auch so jemand, der anderen das Geld aus der Tasche zieht."

"Ja genau! Uns Fundraisern geht es in erster Linie um Geld. Systematisch, mit verschiedensten Methoden und Argumenten treten wir an andere Menschen heran und bitten sie, uns etwas zu geben. Jeder Euro, sogar jeder Cent, zählt für uns!

Man könnte uns als raffgierig bezeichnen, wenn da nicht so viele gute Gründe wären, für die wir das Geld brauchen: hungernde Kinder, Erdbebenopfer, die Pflege von alten, kranken oder behinderten Menschen, neue Schulen in den armen Ländern der Welt, das Obdachlosenheim in der Nähe, der Kampf gegen schlimme Krankheiten, der Erhalt des Regenwaldes, die Rettung der Wale ... Eigentlich gibt es ja viel zu viele Situationen in denen Hilfe dringend nötig ist und in denen Helfer gebraucht werden

Stellen wir uns Frau Gönner aus Bankenstadt vor: Frau Gönner hilft gern, sie spendet auch gern. Genau wie ca. 32 Mio. andere Frauen und Männer in Deutschland, die regelmäßig einen Betrag geben. Doch Frau Gönner weiß nicht, ob sie ihr Geld für ein Kinderheim in Polen oder für den Schutz der blauflügeligen Sandschrecke hergeben soll. Außerdem kann Sie ihre 20 Spenden-Euro nicht selbst zu dem Kinderheim nach Polen bringen und ist froh, wenn jemand anderer das für sie tut.

Wir können Frau Gönner helfen, eine Entscheidung zu treffen und zu handeln. Wir wissen, sie wird nicht lange überlegen. Sie lässt ihr Herz sprechen. Wenn sie meint, dass ihr Geld bei uns in guten Händen ist, siegt ihr Mitgefühl und ihr Portemonnaie öffnet sich.

Danke, liebe Frau Gönner! Weil Sie uns unterstützen, können wir wirksam helfen! Sehen Sie, was wir mit Ihrem Geld Gutes getan haben.

Klar, in der nächsten Notlage bitten wir Frau Gönner wieder um Unterstützung oder wir fragen sie, ob sie uns nicht regelmäßig helfen möchte – mit einem Dauerauftrag. Das lässt uns längerfristig planen und spart auch bei uns Kosten, die wir besser für unsere Hilfsprojekte ausgeben. Vielleicht wird Frau Gönner eine ganz treue Freundin unserer Organisation und vererbt uns später sogar einen Teil ihres Vermögens."

"Das ist Fundraising?! Scheint ja kinderleicht zu sein, andere erfolgreich um ihr Geld zu bitten, nicht wahr?. Aber warum bekommen dann doch nur etwa 300 der insgesamt ca. 3.000 spendensammelnden Hilfsorganisationen in Deutschland den größten Teil, ca. 70% der gesamten Spenden? Die vielen anderen Organisationen machen doch auch gute Arbeit und leisten wirksame Hilfe."

"Ja, ganz so einfach ist es eben doch nicht. Die Konkurrenz ist groß und manchmal kann man gar nicht recht erkennen, worin sich die Hilfsorganisationen unterscheiden. Da muss man schon etwas besonderes bieten, wenn man auf sich aufmerksam machen will. Profil zeigen heißt die Devise. Mag sein, dass das dann manchem nicht gefällt, aber wir können uns ja die passenden Freundinnen und Freunde suchen. Bei denen sind wir dann an der richtigen Adresse. Manchmal ein Leben lang, wenn wir aufrichtig bleiben und authentisch von unserer Arbeit berichten.

Dabei ist es selbstverständlich, dass wir bei der Suche nach Menschen, die uns unterstützen so effizient und kostensparend wie möglich vorgehen. Für jeden Euro, den wir ausgeben, wollen wir ein Vielfaches zurückbekommen. Denn Hilfe wird immer gebraucht."

"Ihr geht ja richtig strategisch vor. Ihr könnt ja einfach nicht genug kriegen."

"Stimmt!"

Sabine Schneider
social concept GmbH